21. September 2017

Quod licet Forstwirtschaftler

non licet Politiker.
Wir leben in einem Land, das extrem dicht besiedelt ist.  ... Wir hatten vor ein paar Jahren mal kanadische Studenten hier. Nach einer Woche fragten die: Sagt mal, was macht ihr hier eigentlich? Das ist ja Waldgärtnerei, was ihr betreibt. In Deutschland leben aber doppelt so viele Menschen wie in Kanada, allerdings auf einer dreißig Mal kleineren Fläche. Pro Quadratmeter bedeutet das eine sechzig Mal höhere Belastung.
Christian Ammer, Forstwissenschaftler an der Georg-August-Universität Göttingen, FAZ-Interwiew am 21.9.17

Der eine spricht ein Faktum aus, der andere würde gerne das Faktum aussprechen, würde er dadurch nicht zum Rechtsextremen gemacht, zumal wenn er sagen würde "Das Boot ist voll". Am weitesten wagen sich jene Demokraten vor, die ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Muster wollen.

18. September 2017

Natur – Kultur, langweiliges Begriffsaufdröseln

Die mir bekannten Diskussionen zum Begriff Natur beziehen sich direkt auf Gegebenenheiten der Realität, sind ontologisch gemeint. Das führt zu Schwierigkeiten, z.B. im Wikipedia-Artikel. Es ist wie mit dem Begriff Wasser, das als H2O definiert wird, aber als H2O praktisch nur im Labor vorkommt. Sonst ist immer noch anderes dabei.
Es wäre also sinnvoll, für die Antonomie Natur – Kultur "reine" Begriffe zu definieren und für die Wirklichkeit dann deren Vorkommen im  Mischungsverhältnis zu bestimmen. Für diese Antonomie ist logischerweise die Variante "Natur ist alles (auch der Mensch und seine Produkte)" auszuschließen. Also:
Kultur ist alles vom Menschen Gemachte, Natur ist alles, was keine Spuren des Menschen aufweist.
Somit sind Regenwälder oder Polargebiete maximal naturhaltig, E-Musik und Theater maximal kulturhaltig. Alte Probleme werden dadurch nicht gelöst, ob z.B. die Mathematik Natur oder Kultur ist. Informatik ist wohl primär kulturhaltig.
Andere Probleme lassen sich aber besser besprechen, z.B. die unter Naturschützern weit verbreitete Doktrin "Der Natur muss man nicht helfen" (H. Küster, "Ökologe"). Einer Natur, die direkt der Begriffsbestimmung entspricht, braucht und soll und braucht man in der Tat nicht zu helfen. Aber die gibt es z.B. in Deutschland nicht. Streundende Hauskatzen sind nur in geringem Maße naturhaltig, im Gegensatz zu den von ihnen gejagten Vögeln. Denen muss man helfen, durch Erschießen der Katzen. Hier von einem illegitimen Eingriff in die Natur zu sprechen (einem durch den Menschen, der die Natur ja schon so misshandelt habe), ist nicht logisch, sondern simple Emotion.
Dass Naturhilfe angesichts der realen Verschränkung von Natur und Kultur komplexes, wissenschaftliches Denken erfordert, bleibt unbenommen. Das Hilfeverbot ist jedoch das Gegenteil von wissenschaftlichem Denken. Einem touristenverseuchten Naturpark das Löschen barbecueveursachten Feuers zu verweigern, weil Feuer im Wald "natürlich" und Löschen "unnatürlich" sei, gehört zum simplen Denken. Es ist nichtsdestoweniger zur aktuellen Doktrin geworden.
Kulturlandschaft ist das, was Deutschland schön macht. Wird sie zerstört, das passiert gerade, dann wird Naturhaltiges durch Kulturhaltiges verdrängt. Es ist also nicht nur anthropozentrisches Gefühl, wenn Kulturlandschaft geschützt werden soll, sondern objektiv illegitime Vernichtung von Naturkomponenten im Namen von Profit (Landwirtschaft) und Wohlstand (Energie- und Bodenverbraucher).




Verachtung und Resignation


sind keine guten Voraussetzungen für einen Blog, der gelesen werden soll. 
In einer Gesellschaft, die es sich wohlergehen lässt auf Kosten der nachfolgenden Generationen und die sich von ihren Eliten sanft in den Niedergang begleiten lässt, kann man allenfalls noch Selbstgespräche führen.

10. Juni 2017

Die armen Rentiere und ihre Hirtenkünstler

In der FAZ, über die Dokumenta Kassel:
Die Dutzende Rentierschädel, die die 1983 geborene Máret Ánne Sara aufgehängt hat, stammen immerhin aus ihrer eigenen Herde, die sie, wie andere Angehörige der Sámi, unter Zwang der norwegischen Regierung reduzieren musste.
Die Dokumenta dokumentiert, wie der Staat zum Töten zwingt. Zwar zeigt ein kurzes Browsern, dass die Rentiere im Nordeuropa überhand nehmen und in Norwegen 2200 Rentiere wegen einer ansteckenden Hirnkrankheit geschlachtet werden mussten. Aber: Sie durften nicht mehr leben und sich frei entfalten. Anderen Menschen ist es verboten, Platz für Palmöl zu schaffen, obwohl sie viel Geld in die Zukunft unseres Wohlstands investieren. Immer größere Felder, immer größere Herden, das ist Fortschritt, Wachstum, ein Segen. Soll man etwa die Mongolei rügen, weil immer mehr Ziegen immer mehr Mongolei in Wüste verwandeln, wo die Ziegen doch kuscheliges Mohair liefern?
Gut dass die Kunst feindliche Eingriffe des Staates anprangert.

25. Mai 2017

"Heimische Pflanzen mit ungefüllten Blüten zuhause anpflanzen"

Das hilft den Wildbienen, bei denen ein extremer Schwund zu befürchten ist.
Von den rund 420 Arten seien nach Angaben des Umweltministeriums (in Hessen) 43 Prozent vom Aussterben bedroht. Das Futter werde ab Mitte Juni, wenn der Raps verblüht ist, knapp. 

Wildbienen sind Spezialisten und meist auf eine bestimmte Pflanzenart angewiesen. Wenn die Pflanze stirbt, stirbt meist auch die Art der Wildbiene.
Deshalb gibt es eine Aktion der grünen hessischen Umweltministerin Priska Hinz zur Unterstützung der Wildbienen. Immerhin.
Mehr Fokus auf der Landwirtschaftsinitative der Grünen als auf Sektiererhobbies wäre wohl eine nachhaltigere Hilfe.

(Soweit aus der FAZ. Wenn die Wildbienen nur eine Pflanzenart besuchen, wieso wird das Futter nach der Rapsreife knapp? Das ist wohl eher ein Problem für die Imker.)


24. Mai 2017

Erst kommen die Finanzen, dann kommt

lange nichts. Die FAZ bringt Umfrageergebnisse zum "Wohlstandsindex". Eine Zwischenüberschrift und eine Erläuterung, unten die Zahlen:

Den Deutschen ist vor allem der materielle Wohlstand wichtig


Die Freiheit von finanziellen Sorgen steht für vier von fünf Deutschen ganz oben auf der Wunschliste. Auf Platz zwei und drei der Wunschliste folgen Eigentum (71 Prozent) und ein sicheres Einkommen (70 Prozent). Wohlstand bedeutet für die Deutschen außerdem, sich materielle Wünsche erfüllen zu können (also: Geld ausgeben), für die eigene Zukunft finanziell vorgesorgt zu haben sowie ein sicherer Arbeitsplatz.
Wie es der Gesellschaft und der Umwelt geht, ist den Deutschen dagegen nicht besonders wichtig. Für immerhin 40 Prozent der Befragten gehört zum Wohlstand zwar auch der Frieden mit den Mitmenschen. Meinungs- und Reisefreiheit fällt aber schon nur noch für jeden Dritten unter den Begriff Wohlstand. Und mit Blick auf die Umwelt sieht es noch schlechter aus. Nur für jeden Fünften gehört ein guter Umgang mit der Natur und die Nutzung von erneuerbaren Energien zu einem wohlhabenden Land.

Da schwingt selbst bei der Redaktion ein leichtes Kopfschütteln mit. Aber Input (Medien, Schule) gleich Output. Wer bestimmt über das, was Medien und Schule bringen?
Schade, dass es im Mittelalter keinen Wohlstandsindex gab. Da kam der Input von der Kirche. Ob es da anderen Output gab?

19. Mai 2017

Wahlkampf – oder Ideen von der Zukunft



Ist der Wahlkampf entscheidend? Es geht nicht ohne, weil die jeweils anderen auch einen machen. Aber was bringt er? Trivial ist: Bei den Parteiaffinitäten gibt es die kurzfristigen Konjunkturen (Schulz-Hype etc) und es gibt die Kurve der langfristigen Entwicklungen der Affinitäten zu Parteien. Welche Konjunkturkurve auf den Wahltag trifft, ist ein Zufallsereignis, Machbarkeiten sind da illusionär. Es kommt also auf die langfristigen Entwicklungen an, und da geht es um die grundsätzlichen politischen Konzeptionen. Der Artikel hat recht, die Zukunft entscheidet: Generationengerechtigkeit, Umwelt und in Deutschland die ökonomische und gesellschaftliche Stabilität. Mit "Zukunft" hat die Lindner-FDP insofern den richtigen Slogan. Leider geben ihre Kader der Expansion des Individuums den Vorzug gegenüber Ökologie und gesellschaftlicher Stabilität. Den großen Parteien kommen langfristige Ideen erst gar nicht in den Sinn, es könnte sein, dass sie deshalb immer weniger gemocht werden.

6. Mai 2017

Liebet die Reiter!

Es gab eine Zeit, in der ich mit Ingrimm auf der von Reitern zerstörten Grasnarbe joggen musste. Besonders an den Neigungen machen Reiter den Weg zur Sandwanne, und man läuft dann so schwer wie am Sandstrand. Seitdem unser Energieluxus Äcker und Wiesen in Maisplantagen verwandelt, bin ich froh, dass die Reiter für eine Wiese mehr zahlen, als die Energiesubventeure. 
Wer Geld hat ohne zu reiten, kann es noch besser machen. Statt in überteuerte Eigentumswohnungen oder in Logistikzentren zu investieren, kann man eine Wiese kaufen und sie nur 2-3 mal mähen lassen (Reiter u.a. nehmen das Heu gerne ab). Sogar eine Streuobstwiese wäre schnell gemacht und wäre mehr Natur als eine Pferdekoppel (da gibts nur Gras, und wenn der Krause Ampfer überhand nimmt, geht der Pferdeknecht vor der Neusaat erstmal mit Glyphosat drüber). Oder man spendet an den Nabu, der sowas in größerem Umfang macht. Aber jedes Stückchen Land ohne intensive Landwirtschaft ist Gewinn.

Gewinn – Zwei Gründe, nicht in  schönen Boden zu investieren:
  • Ich muss aus meinem Geld mehr Geld machen! Auch mehr als mein Kollege, meine Freundin, ... Sinn und Ethik dieser Pflicht in unserer Kultur ist nicht zu erkennen.
  • Alles des Erben! Da gilt dasselbe. Man muss nicht gleich alles zu einer Stiftung machen wie jene Selfmadeleute, die meinen, die Kinder sollten selbst für ihr Einkommen sorgen. Unser Nachbar vererbt seine Wiesen. 
Fast jeder kennt und sieht die Veränderung unserer Kulturlandschaft, trotzdem hier noch mal etwas Aktuelles dazu (auch wenn die Faktoren hier ungeschickt zusammengestellt sind im Bericht über die Regierungsantwort auf einen Grünenanfrage):
Der Rückgang der Brutvögelbestände in Deutschland hat sich beschleunigt. Schuld daran ist neben Mangel an Nahrung und Lebensraum auch der Insektenschwund. 
In den Agrarlandschaften der Europäischen Union sei die Zahl der Brutpaare zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen gesunken. Auch in Deutschland gebe es die stärksten Einbußen bei jenen Vogelarten, die in der Agrarlandschaft heimisch sind.
Als Faktoren für den Artenrückgang bei Vögeln nennt die Bundesregierung die Veränderung der Lebensräume, ein knapperes Nahrungsangebot oder auch die direkte Verfolgung.
Hinzu kommt der Insektenschwund: Die „Insektenbiomasse“ sei bei manchen Insektenarten um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Auch der Pestizideinsatz beeinflusst nach Einschätzung der Regierung die Vogelbestände – zumindest mittelbar, weil er das Nahrungs- und Brutplatzangebot verringert.
Es gibt noch einige Grünen-Reste, die sich mit Ökologie beschäftigen:
(sagt) Grünen-Abgeordnete Steffi Lemke angesichts dieser Regierungsantwort. „Ausgeräumte Landschaften, der Einsatz von Pestiziden und der Rückgang von Nahrung schwächen die Populationen.“




21. April 2017

Vernunft ist heute reaktionär

Nachrichten aus Frankreich (FAZ 21.4.2017)
Peter Sloterdijk fordert die Franzosen in einem Interview, das nur „Le Monde“ abgedruckt hat, dazu auf, „die Lichter der Aufklärung nicht abzuschalten“. An deren Werten hält auch Finkielkraut fest. Der Idee des Fortschritts allerdings misstraut er: „Er ist in einem Endstadium angekommen. Die Entwicklung zu immer mehr individueller Freiheit und Herrschaft über die Natur mündet in eine Bewegung, die uns mitreißt und von der wir nicht wissen, wohin sie führt. Es kann nicht mehr länger darum gehen, den Fortschritt zu vertiefen und zu beschleunigen. Er muss begrenzt werden: um die Welt zu retten! Wir müssen die Sprache, die Kultur, die Landschaften retten.“
Und das, obwohl der "französische Intellektuelle an sich" für "Natur" nichts übrig hat. Er ist Voltairianer, nicht Rousseauist.

22. März 2017

Ökologische Grüne?

Da schreibt sie erzliberale Chefin des Wirtschaftsressorts der FAZ anlässlich der zur Zeit ungünstigen Stimmungslage für die Grünen:
Im Programmentwurf der Grünen geht Ökologie unübersehbar auf Kosten der Ökonomie. Ehrlich wäre es, den Wahlkampf entsprechend zu führen. ... mit ihrem Programmentwurf orientieren sich die Bundesgrünen weiter weg von der Mitte als in ihrem Spitzenduo personell erkennbar wird. Neben Steuererhöhungen „für Reiche“ und teuren sozialpolitischen Versprechen für Familien enthält er viele neue Abgaben und kostentreibende „Ziele“ für die Wirtschaft, ob für konventionelle Bauern, Energiekonzerne, Autoindustrie. Hier geht Ökologie unübersehbar auf Kosten der Ökonomie.
Es ist aber nicht die Ökologie, die zum Umfragetief der Grünen führt. Sie kommt vielleicht im Programm, jedenfalls nicht in der aktuellen Agitation und den Aktionen zu Geltung. Da kümmern sich die Grünen  bekanntlich um kulturelle Phänomene buntester Art, am "nachhaltigsten" in der Schulpolitik. Solche Politik kann die SPD auch, und sie mit Schluz gut verkaufen. Dass die Ökologie Wirtschaftsliberalen die Schweißperlen auf die Stirn treibt, ist logisch. Ob das bei intelligenten Wählern auch gilt, ist eine offene Frage.

21. März 2017

Alternativlose Alternative?


Dietmar Dath (FAZ-Kommunist, Überbleibsel aus dem Schirrmacher-Feuilleton) schreibt in berauschendem Stil über seine alternative Lektüre. Aber auch diesmal ist es nur die Schaumkrone über der ewigen Wiederkehr des klassenkämpferischen und  fortschrittsoptimistischen Antagonismus der Linken:
Wo viele fürchten, es werde ihnen bald schlechter gehen, obwohl die Menschheit technisch gesehen so produktiv ist wie noch nie, gibt es nur zwei Möglichkeiten: das Chancengefälle auf dem höchsten Niveau ausgleichen oder aber andere wegsortieren und runtertreten, auf deren Kosten man den eigenen Standard halten oder verbessern will.
Undenkbar für Klassenkämpfer wie Kapitaldiener ist die dritte Möglichkeit: „das Chancengefälle durch Einschränkung oben ausgleichen“. Diese Möglichkeit, haben mir Linksliberale  klargemacht, ist unrealistisch. 
Aber wer glaubt denn an eine Realität, in der 7 bis demnächst 10 Milliarden „auf höchstem Niveau“ leben können oder dass sich die „Wegsortierten“ und „Runtergetretenen“ mit ihrem Los zufrieden geben? Diese Möglichkeiten sind nicht weniger irreal oder real wie die, dass wir, die Reichen, „Austerität“ akzeptieren. Vielleicht bleibt uns gar nichts anderes übrig. Dann wäre es gut, wenn die Reichen die "Chancen  nutzten, die ihnen der erreichte Stand ihres Erzeugungsvermögens eröffnen" (R. Luxemburg, zitiert von Dath).

Auf höchstem Niveau:
Sahra Wagenknecht, die bekanntlich für eine Gesellschaft ist, „in der alle Menschen Hummer essen können“.  (FAZ-Glosse vom 22.4.17)

17. März 2017

Die versteckten Kosten der Globalisierung

Wer gegen Globalisierung (G) auftritt, wird vom Fortschritt scheel angesehen. Provinzialität ist noch der freundlichste Ausdruck der dann fälligen Verachtung. G ist eine der aktuellen Göttinnen wie es die Atomkraft mal war, deren Folgekosten auch kleingeredet oder ignoriert wurden.
Dass die Globalisierung nicht umsonst zu bekommen ist, wird auch von ihren Freunden zugegeben. Dabei werden aber immer nur die ohnehin nicht zu übersehenden Folgen genannt, im wesentlichen die Billigproduktion woanders, mit der Vernichtung oder dem Export von Arbeitsplätzen zuhause. Herausgestellt werden neben den eigenen Vorteilen für Verbraucher (billig, billig) auch die für dritte Welt (kriegt Kapital) und vor allem für die Schwellenländer, die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Wenig gesprochen wird darüber, dass es auch dort natürlich Verluste gibt. Insgesamt steht hinter dem Begriff G keine Bilanz, sondern die reine Ideologie der Profiteure, wer nicht mit gewinnt, ist ein deplorable.
G wird rein anthropozentrisch gesehen. Neben den Humankosten sind aber auch die Kosten für die Natur relevant. Es gibt Studien und Bücher über die Nachteile der G, aber nicht aus ökozentrischer Sicht. (Oder doch? Bin für Hinweise dankbar). Und wer hat Zeit und Lust das zu lesen. Ich plädiere für eine "living" Liste, wenn möglich mit Links zur interessenorientierten Vertiefung, wäre also erfreut, wenn in den Kommentaren erscheint, was in die zu aktualisierunde Liste aufgenommen werden soll.

Naturkosten:
  • Invasive Arten:
    Die (von der EU) gelisteten 37 Arten machen nur einen Bruchteil der EU-weit als invasiv angesehenen Arten aus. ...
    Allein in Deutschland sind mindestens 168 Tier- und Pflanzenarten bekannt, die nachweislich negative Auswirkungen haben – oder haben könnten. So viele Arten listet das Bundesamt für Naturschutz in seinem Managementhandbuch für invasive Arten auf. In der gesamten EU gehen Experten sogar von rund 12.000 gebietsfremden Arten aus, von denen etwa 15 Prozent als invasiv eingestuft werden, und damit potenziell Schäden ausrichten.
    Diese Schäden werden in Deutschland und in der gesamten EU zunehmend größer. Sowohl die ökologischen als auch wirtschaftlichen und gesundheitlichen Bedrohungen steigen. Die EU-Kommission beziffert allein den ökonomischen Schaden auf rund zwölf Milliarden Euro pro Jahr. (NABU, Links von diesem Link aus!)
Humankosten:
  • Land grabbing / Landraub
  • Ressourceninduzierte Kriege und deren Flüchtlinge
  • Drogenhandel und Folgekriminalität:Weil der globale Handel nicht  behindert werden soll, kann auch der Dogenhandel nicht eingedämmt werden.
Natur- und Humankosten:
  • Abholzung von Regenwäldern mit Vertreibung / Vernichtung / degenerativer Zivilisierung von Naturvölkern

11. März 2017

Die Allmende im Liberalismus

Der Liberalismus ist die Ideologie des Privateigentums. Das wissenschaftliche Dienstpersonal verbreitet diese Religion mit umfassender begrifflicher Gärtnerei, dazu heute mit ausufernder Formelzüchterei. Der Liberalismus hat sich in der Geschichte bei der Abschaffung des Feudalsystems einige Verdienste erworben, was die Einfältigen und eben das Privateigentum dafür ausbeuten, den Liberalismus für sakrosankt zu erklären und sogar zu nobelitieren (sic).
Zu den Doktrinen, die den nachwachsenden Leibeigenen der Ökonomie beigebogen werden, gehört die Lehre von der wirtschaftlichen Untauglichkeit der Allmende, des Gemeineigentums an Wald und Feld, wie es sie vor der Industrialisierung gab. In der Tat brachte die Transformation der Allmende zum Privateigentum an Feld und Wald, was noch gar nicht so lange her ist, größere wirtschaftliche Erträge. Die  Erklärung ist aber nicht die liberal-privatwirtschaftliche, dass nämlich Feld und Wald von der Gemeinschaft heruntergewirtschafttet werden, weil sich keiner verantwortlich fühlt. Das stimmt schon deshalb nicht, weil die Allmende Jahrhunderte funktioniert hat, auch im Blick auf die Nachkommen,  während heute die privaten Firmen oder Agrarbetriebe eine immer kürzere Lebensdauer haben und sie es sind, die immer kurzfristiger immer größere Erträge bringen sollen. Je anonmyer die Besitzer, desto rasanter.
Die eigentliche Erklärung ist trivial: Die kleinen Bauernhöfe verschwanden in den größeren, die umso effektiver wirtschaften konnten, je größer der Betrieb war (bis zu einem bestimmten Grenznutzen). Die ehemaligen Bauern konnte man billig für sich arbeiten lassen. (Wenn sie nicht ins Industriproletariat abwandern mussten. Das ist heute z.B. mit der Digitalisierung nicht anders. Allerdings wohin heute abwandern, wenn es keine Exportüberschüsse (mehr) gibt?). Die Effektivität steigt in einigen Branchen für einige Betriebe, übrig bleiben die Freigesetzten und Bankrotten. Für die sorgt die Solidargemeinschaft, die ein Liberaler (z.B. ein/e FAZ-Wirtschaftsredakteur/in) nur mit Hohn, Spott und Kürzungsvorschlägen bedenken kann. Und die Allemende vesucht er mit dem Totschläger "Sozialismus" zu erledigen, obwohl die LPGs der DDR gerade KEINE Allmenden waren.
Hauptsache das Privateigentum, das über den Aufsichtsrat seine Kommandos gibt, wird nicht angetastet. Damit ist auch das management- und employee-buy out nicht zu diskutieren, etwa beim Verkauf von Opel durch GM. Dort hätten die Beschäftigten Teilhaber werden können, z.B. mit Krediten oder Bürgschaften der öffentlichen Hand. Das wäre eine Industrie-Allmende geworden (die Gewerkschaften mögen das gar nicht ...). Sicher kein Selbstgänger, z.B. haben die Beschäftigten bei Photo-Porst die ihnen übereignete Firma tatsächlich zugrunde gerichtet.
Also doch: Allmende geht nicht mehr? Der Witz dabei ist die mentale Verfassung der Menschen. Die dürfte auch der Grund sein, warum die Allmende so lange funktioniert hat. Und dies ist auch das, was sie ökozentrisch interessant macht: Die Verantwortlichkeit für den Gemeinbesitz wurde nicht durch gutes Zureden (das heutige Sozialplacebo), sondern durch Tradition und soziale Kontrolle sichergestellt. Liberale halten das für Teufelszeug ("Freiheit!"), obwohl sich natürlich die soziale Kontrolle nur verändert hat. Sie wird heute durch Konsum-Nudging exekutiert, ist dadurch nicht mehr transparent.
Resümee: Offene soziale Kontrolle ist besser, könnte gemeinschaftliches Eigentum an Firmen (Genossenschaften) und Natur zu echter Nachhaltigkeit führen, weil man sich verantwortlich fühlt. Weniger Privatissima, weniger Modernität, weniger "kreative Zerstörung", besseres Leben für mehr Leute und mehr Natur.
Weniger Liberalismus.

A propos: Liberalismus und Bier 
20.3.2017
Da kamen die Bauern der ehemaligen Hofmarksherrschaft von Reichersbeuern, Greiling und Sachsenkam unter Führung von HH Pfarrer Alois Daisenberger auf den Gedanken, eine Brauereigenossenschaft zu gründen, die vor allem kostengünstigeres Bier als alle übrigen Brauereien liefern sollte. So wurde am 23.10.1924 von 42 Genossen eine Brauereigenossenschaft mit Sitz auf dem Reutberg gegründet.Diese nahm einen großen Aufschwung ...
Nach Kriegsende begann der Betrieb seinen Wiederaufbau und konnte schon im Jahre 1950 von den erwirtschafteten Gewinn die Weißbierbrauerei in Bad Aibling kaufen; 3 Jahre später die Liegenschaft des heutigen Reutberg-Stüberls in Bad Tölz.  ...
(Seite der Brauerei Reutberg)

1. März 2017

Meine Geduld mit Trump ist zu Ende

(ja, ich kann auch Selbstironie). Eine seiner vielen ökologischen Übeltaten (NZZ):
Der Gewässerschutz für landwirtschaftliche Betriebe, wie er von der Umweltbehörde EPA unter Präsident Barack Obama erreicht worden war, solle gelockert werden.

Dies sagte Trump am Dienstag bei der Unterzeichnung eines Dekrets im Weissen Haus. Er habe die Umweltbehörde entsprechend angewiesen. «Derzeit ist jede Pfütze geschützt», sagte Trump. Das gehe zu weit und schade der Wirtschaft. Bauern und Energiefirmen waren gegen die Vorgaben der Obama-Regierung Sturm gelaufen.
Es war klar, dass Trump antiökologische Politik machen würde. Aber immerhin sagte er, er wolle die US-Interventionspolitik zurückfahren. Das Gegenteil ist leider der Fall, praktisch (Jemen) und verbal (Militärhaushalt, Atomwaffen, "Kriege gewinnen"). Da hilft ihm auch der Widerwille gegen die Hysterie der Medien, Wirtschaft und Europolitiker nichts. Er macht tatsächlich eine irre Politik.

22. Februar 2017

Öko-Praxis anschauen, Öko-Reaktionäre identifizieren

Nichts ist bescheuerter als die EU-Subventionen nach Agrarfläche. Wer hat, dem wird gegeben (Bibel). Immerhin hat die EU einen Korridor für die Umschichtung von Fläche auf Ökologie geschaffen. Im Deutschland der seinerzeit grünen Bundeskanzlerin (eine der ihr immer mal wieder angedichteten Qualitäten) wird fast nichts umgeschichtet. SPD-Hendricks will mehr, Union-Schmidt ist dagegen. Es geht
um eine Umschichtung der EU-Agrarzahlungen für die deutschen Bauern - weniger Geld je Hektar, dafür mehr für die sogenannte zweite Säule, also die Förderung von Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen. Bislang schichtet Deutschland 4,5 Prozent von der ersten in die zweite Säule um; möglich wären bis zu 15 Prozent.
Hendricks will genau das tun und für 2018 und 2019 das Maximum von 15 Prozent festschreiben lassen. Schmidt aber ist dagegen und würde lieber alles so belassen, wie es derzeit ist. 
Die rotgrünen Länder NS und S-H haben sich im Bundesrat den 15% angeschlossen, angenommen wurde der 6,5% -Vorschlag aus dem grün-schwarzen BW. Nur, obwohl dort Grün die stärkste Fraktion hat.

Immer DARAN denken, wenn man ökologische Sonntagsreden hört.

17. Februar 2017

Güne und politische Ökologie

Ein FAZ-Artikel beschäftigt sich mit der Grünen-Reaktion auf deren Umfragetief. Lauter taktisches Hin- und Hergerede von Artikelschreiber und seinen Objekten. Taktik muss in eine Strategie eingebaut sein, und die fehlt eben. Falsch ist die Aussage:
Und gerade weil vermeintlich die ökologischen und die Klimathemen, mit denen die Grünen zuallererst identifiziert werden wollen, gegenwärtig eher nachrangig im öffentlichen Interesse stünden,
"zuallererst identifiziert werden wollen"? Das Etikett "Grün" bedeutet ja nicht, dass auch grün drin ist. Wenn die Grünen, wie allenthalb behauptet, die Schlüsselbegriffe und -losungen bestimmen, dann ist die Folgerung klar: Die ökologischen Themen sind nachrangig, weil sie bei den Grünen gar nicht mehr propagiert werden. Der Hin- und Her-Autor liefert gleich eine Bestätiguzng mit:
in der Sozialpolitik, auf die die Grünen im vergangenen halben Jahr viel Aufmerksamkeit gelenkt haben
Der Grünenfokus ist seit langem auf alles mögliche gerichtet, aber nicht auf ihr scheinbares Kernthema. Es sind zu viele Mimimi- und Schneeflockenthemen. Die tragen nicht, und eine politische Strategie sind sie schon gar nicht. Und populistische Sozialpolitik, s.o., können andere besser.
Echte Ökologie wäre ein Kernprojekt, bei dem die anderen nicht mithalten können, weil sie nur davon reden, und wenn Klientelinteressen betroffen sind, sofort den Schwanz einziehen. Ob damit schnell mehr Macht zu erreichen ist, weiß man nicht. Aber eine Strategie wäre es, denn Ökologie ist das Thema des Jahrhunderts. Trump vergeht, die Natur aber auch, wenn nichts getan wird.

10. Februar 2017

Ökozentristen im Gericht

(Reuters) Der Wiener Flughafen darf nicht ausgebaut werden. Das Bundesverwaltungsgericht untersagte den geplanten Bau einer dritten Start- und Landebahn, weil dadurch der Flugverkehr und damit die Treibhausgasemissionen Österreichs deutlich ansteigen würden. Der Schutz vor den negativen Folgen des Klimawandels sei höher zu bewerten als die positiven Effekte für die Arbeitsplätze und den Standort, erklärte das Gericht. (NZZ)

Der Flughafen will in Berufung gehen, das belaste das die Entwicklungsmöglichkeiten des Wirtschafts- und Tourismusstandortes Österreich. 

Auch heute: Das Leipziger Verwaltungsgericht lässt die Elbvertiefung im Prinzip zu.

9. Februar 2017

Gülle-Sturm über den Bauernregeln

Einige Tage später hat sich die erwähnte Gegenkampagne von Bauernverbänden, Agrarblättern und CSU (besonders Agrarminister Schmidt) zu einem Gülle-Sturm gegen die Ministerin Hendricks und ihren Staatssekretär Flasbarth, ehemals NABU, ausgewachsen. Da von Beleidigung des Bauernstandes in den "Regeln"  keine Rede sein kann, ist es klar, dass es nicht um die Regeln, sondern um die darin vermittelte politische Meinung geht (Meinung, denn RegierungsTATEN sind in dieser Koalition nicht drin).
Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Verbalgülle den Ausbringern ins Gesicht weht. Sie sind die besten Multiplikatoren der Regeln.

11.1.17
Umweltministerium zieht die Bauernregeln zurück.
Die getroffenen Hunde haben zu laut gebellt. Sie wollen weiter güllen und spritzen. Ein Artikler schrieb, es seien letztlich die politischen Vorgaben, die "die Bauern" zwängen, industriell und naturfeindlich zu wirtschaften. Aber die Alternativen – Subventionen nach Naturverträglichkeit statt nach Fläche – wollen sie ja auch nicht.

8. Februar 2017

Konsum und Soziologie

In der FAZ ein Bericht über eine soziologische Studie (K. Hörstermann) zum Konsumverhalten, die eine der beiden folgenden Erklärungsvarianten bestätigen soll:
Die eine Hälfte der Konsumforscherbehauptet, dass wir eine generelle Entkopplung von subjektiver Lebensweise und sozialer Lage erleben und sich entsprechend auch die Konsumstile „entschichtet“ hätten. Die Lebensstile pluralisierten sich, der Konsum diene jetzt im Wesentlichen der Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung.
die andere Hälfte der Konsumforscher besteht darauf, dass die objektiven Lebenslagen (Klasse, Schicht, Bildung, Geschlecht, Einkommen, Alter) nach wie vor auch den Lebensstil bestimmen und unterschiedliche Lebensstile eher das Ergebnis unterschiedlicher Lebenslagen als einer bewussten oder gar freien Entscheidung sind.
Nun also:
Die Ergebnisse der Studie sprechen deutlich für die These der Entkopplung von sozialer Lage, Lebensstil und Konsumverhalten.
Das sehr Wenige, was man über die Methode der Studie erfährt, ist eher dazu angetan, dieses Ergebnis mit Skepsis aufzunehmen. Sei's drum. Interessant ist, dass die Opinio communis der Soziologen mit dem übereinstimmt, was der normale Verstand annimmt:
Weitgehend einig sind sich die Konsumforscher immerhin darin, dass sich der Konsum von der Notwendigkeit weitgehend befreit hat: Der Anteil des verfügbaren Einkommens, der für unmittelbar lebensnotwendige Bedürfnisse ausgegeben wird, sinkt relativ zum steigenden Teil, über den man prinzipiell frei verfügen könnte. Für Ernährung, Bekleidung und Hausrat sinken die Ausgaben, während sie für Wohnungsmieten, Gesundheit, Verkehr,Kommunikation, Bildung und Freizeit steigen. Konsum also, innerhalb dessen eine große Auswahl besteht.
Noch mehr Wohlstand, das Ziel unserer Gesellschaft und ihrer Parteien, bringt mehr Konsumfreiheit. Leben bringt es  weniger. Das sehen viele so, würden sich aber nie zu ökozentrischen Gedanken bekennen.


4. Februar 2017

Gibt's nur Mais auf weiter Flur,

fehlt vom Hamster jede Spur.
Das ist eine der elf "Neuen Bauernregeln" des Umweltministeriums. Dagegen hat sich ein Entrüstungsstrum der konventionellen Bauernvertreter erhoben, "inhaltliche Bankrotterklärung", "Tiefpunkt", "Mobbing" usw.
Vor allem "inhaltlich": Jede Bauernregel betrifft einen Sachverhalt, der ausreichend oft beschrieben wurde, wobei es in den wenigsten Fällen um doofe Bauern geht, sondern um eine aus dem Ruder gelaufene industrielle Landwirtschaft. Ihr Natur- und Selbstvernichtung hat zur Grünen Woche der Vorsitzende der Großargrarier (kein Schreibfehler) drastisch verdeutlicht (auch Lobby, aber klüger).
Wer also in den Bauernregeln eine Kampagne gegen sich und nicht gegen die Auswüchse des Spritzens und Züchtens sieht, der gehört logischerweise zu denen, die falsch wirtschaften und nichts anderes wollen, als weiter so plus Respekt plus Subventionen.

Aus dem Interview, das offenbar nur in der Bezahl-FAZ zu lesen ist:
Zu enge Fruchtfolgen und zu hoher Chemikalieneinsatz brächten immer mehr Resistenzen von Pflanzen, sagte der Präsident der DLG, Carl-Albrecht Bartmer, dieser Zeitung. Bei Pflanzen wie Raps sinken deshalb schon die Ernten. Landwirte betrieben einen „gigantischen Chemieaufwand“, so Bartmer. Deshalb gebe es immer mehr Resistenzen, die „nicht mehr so wie in dem früheren Maß durch Pflanzenschutzmittel ersetzt werden können“.
Die Saatgut- und Spritz-Konzerne (Bayer etc) schieben das auf die Beschränkungen durch die EU.
Für DLG-Präsident Bartmer ist es zu kurz gedacht, die Ursache in Brüssel zu suchen. Der immer spezialisiertere Ackerbau ist für ihn der Kern des Problems. Das System der Lebensmittelerzeugung sei deshalb nicht mehr „resilient“, sagt Bartmer - also nicht widerstandsfähig im Fall von Krisen. „Wir hängen immer mehr an wenigen Insektiziden“, sagte er der F.A.Z., „mit der Spezialisierung haben wir es übertrieben.“ So könnte das System von Saat und Ernte kippen.
Und dann: Staat statt Markt, ein nicht nur bei Agrariern verfemtes Prinzip:
Ackerbauern müssten mehr unterschiedliche Früchte nebeneinander anbauen, um Artenvielfalt zuzulassen. Der Staat müsste dafür strengere Regeln setzen: „Der Markt honoriert diese Leitungen nicht.“ Bartmer fordert aber nicht Subventionen, sondern Spielregeln, die mehr Ziele berücksichtigen als die bloße Ernte. Eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung solle Pflicht werden.
Dazu die Verwüstungsbauern:
Es werde keine Agrarwende geben, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied immer wieder. 
Und für die besonders Unbelehrbaren aus dem Münsterland "gibt es neue Hiobsbotschaften über die Tierhaltung" ...

Der Autor Jan Grossarth hat auch die Diskussion der einschlägigen Agrar-Kreise dokumentiert und eine eigene Konzeption einer Agrarwende vorgestellt. Die ist nicht nur inhaltlich fundiert, sondern auch poltisch realistisch (d.h. ökozentrisch gesehen nicht ausreichend). Der Autor ist es wert, gehört zu werden.
Aber wie es immer so ist: Man weiß es, tut es aber nicht. Es ist ein Interessenkampf, keines der besseren Theorie. Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit: Es ist der Kampf zwischen kurzfristigen Interessen und der Vernunft. In der mittelalterlichen Landwirtschaft galten nachhaltigere Regeln, da dachte man nicht nur an die  Jahresbilanz. Und nicht nur da, denn die triviale, praktisch zirkuläre Verallgemeinerung ist:
Je kürzer die Zeiträume, in denen  Gesellschaften dachten, desto kürzer ihre Lebensdauer. Hier gilt auch das Präsens.

28. Januar 2017

Globalisierung + Digitalisierung ≠ Fortschritt


Globalisierung + Digitalisierung sind Merkels aktuellen Steckenpferde. Ohne die kein Fortschitt, da hat sie sogar Recht. Aber Fortschritt ist ein zweischneidiges Schwert. Anthropozentrische und ökozentrische Fortschrittsskepsis stehen meistens nicht im Widerspruch.

Laut jährlichem Risikobericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) wird die Ungleichheit größer, und zwar nicht durch die Globalisierung – der technische Fortschritt (Digitalisierung) ist schuld. Viele Studien prophezeien, dass im Zuge der digitalen Revolution jede zweite Stelle verloren geht. (NZZ Newsletter) Aktuelles Beispiel: Ein Manager des wichtigen Handy-Zulieferers Foxconn, der in China eine Million Mitarbeiter hat, kündigte unlängst an, dass das Unternehmen mittelfristig nahezu alle Mitarbeiter durch Roboter ersetzen wolle.
 Zu Globalisierung / Freihandel schreibt der Ökonom Lorz (NZZ):
In der Fortschrittsrhetorik wird nicht bilanziert, sondern allein der Vorteilsaspekt fokussiert
Wenn die Handelsgewinne nur bei einer Minderheit der Bevölkerung anfallen, während die Mehrheit durch Außenhandel eher verliert, dann würde der Medianwähler gegen eine Handelsliberalisierung sein und eine Politik, die sich an den Interessen des Medianwählers ausrichtet, ebenfalls.
Denn: Handel erschließt vielen Unternehmen und Branchen neue Absatzmärkte, steigert deren Profitabilität und schafft Arbeitsplätze. Andere hingegen schrumpfen, weil sie vergleichsweise weniger mithalten können mit Anbietern aus dem Ausland. 
Neben der wachsenden Ungleichheit sehen die vom WEF befragten Experten weitere Großrisiken für die Welt im kommenden Jahrzehnt: Auf Platz zwei werden Umweltzerstörung und Klimawandel genannt. Diese seien auch ein wesentlicher Treiber für die globalen Flüchtlingsströme.

Es wird nicht nur argumentativ die halbe Wahrheit vorgetragen, es wird auch moralisiert. Wer etwas gegen Freihandel, Globalisierung oder Digitalisierung, kurz gegen den Fortschritt vorbringt, ist unmoralisch. Inzwischen kann man die Skeptiker nicht nur in die AfD-Ecke stellen, man kann sie auch Trump ins Bett legen. Dabei ist die Globalisierung keine moralische Veranstaltung, sondern wie alles, was da offiziell als alternativlos, unumkehrbar, wertegebunden dargestellt wird, nichts als ein interessengebundenes Dogma (oder Glaubensinhalt von Nachbetern). Das 47. Weltwirtschaftsforum wurde vor kurzem mit einer Ermahnung von Chinas Präsident Xi Jinping zum globalen Freihandel eröffnet. Einem weißen Ritter der Freiheit (des Handels) oder einem Exporteur?
Es geht wie immer darum, statt einem Dogma hinterherzulaufen, jeweils eine ehrliche Bilanz zu ziehen und eine realistische Bilanz zu prognostizieren. Genau das wird von Progressisten nicht gemacht und wer es macht, wird von ihnen den Populisten zugeschlagen. Die geläufige aktuelle Definition besagt "Populismus ist Vereinfachung". Wie aber nennen wir es, wenn vereinfacht wird, um Nachteile des Fortschritts auszublenden? Bezeichnenderweise gibt es dafür keine Schlagwort, mir fällt noch nicht mal überhaupt ein passendes Wort ein.

26. Januar 2017

Atom > Mais > Industriekuh

Die Industriekuh: Sie steht im digitalisierten, klimatisierten Stall auf der Drehbühne und wird vollautomatisch gemolken. Sie wird in absehbarer Zeit zu 95% die Kuh auf der Weide verdrängt haben. Mehr Geld als mit Weidekühen macht der Bauer mit Energiemais (FAZ):


Der Energiemais, der auch für Biobauern die Pacht von Fläche zu teuer macht, ist ein Produkt der Energiewende, und die ist das Produkt einer Kanzlerin, die im Alleingang den plötzlichen Ausstieg aus der Atomenrgie beschließt, nachdem sie mit ihrer Partei kurz zuvor die Verlängerung der Laufzeiten von AKWs durchgebracht hat. Dass damit auch die Kohle wiederkehrt, war klar, sicher auch der einst von ihren Verehrern ausgerufenen "grünen Kanzlerin".
Der Verbraucher und die Verbraucherin wollen Milch von Weidekühen. Aber sie wollen auch billig billig einkaufen, selbst wenn genug Geld da ist. Sie wollen kein Atom, aber auch keine vermaiste Landschaft. Sie wollen alles und ihre Ruhe. Es sind ganz liebe Menschen.

25. Januar 2017

Natur ± Mensch in Chile und anderswo


Ein Ökologie-Professor in Mainz, der Statistik für Teufelszeug hält und sein Buch in einem Anfall von Hochstapelei „Das ist Ökologie“ genannt hat, meint: „Die Natur braucht keine Hilfe“.
Chile also: Die größte Waldkatastrophe in der Geschichte des Landes und bisher 100.000 Hektar verbrannt.
+ Mensch: Der Innenminister meint „Brandstiftung kann nicht ausgeschlossen werden“ (Ach nein!)
+ Mensch: Äste mit Stromleitungen in Kontakt
- Mensch: anhaltende Dürre und Hitze
Lass brennen, so ist der Lauf der Natur, Hilfe braucht sie nicht (3 Feuerwehleute sind bisher umgekommen). Das sagen, um die hektarweise verkohlten Bäume zu rechtfertigen, auch pädagogische Schilder im Yellowstone Naturpark (knapp 3 Mio Besucher im Jahr). 
Der Natur durch die Vernichtung wildernder Katzen zu helfen, ist illegitim, „denn der Mensch hat ja der Natur schon so viel angetan“ (meint ein ökologisch interessierter Professor der Philologie). 
Das ist die aktuelle radikalökologische Doktrin. Es ist eben nicht jeder „Ökologe“ kein Idiot.

23. Januar 2017

Knappheit wird knapp?


In einem Meinungskommentar der NZZ wird darüber philosophiert, dass Knappheit knapp werde, allerlei „Narrationen“ werden erfunden und Scheinaphorismen abgesondert. Das Ganze läuft darauf hinaus, nichtssagenden Gedanken mit Paradoxien Aufmerksamkeit zu verschaffen.
... haben uns die Narrative der Knappheit aus der materiellen Knappheit befreit.
Kann man mit lustigen Paradoxen falsche Gedanken verschleiern? Die Autoren versuchen es jedenfalls. Wenn Knappheit knapp wird, wie sie sagen, dann tritt Fülle ein. Wir dürfen jetzt aus der Fülle leben und werden wie der Adel.
"Wir sollten Energie sparen, aber ihr tatsächlicher Mangel ist nur theoretisch erfahrbar. (…) Was für den frühen Protestanten in der Askese eine Heldentat der Genussverneinung mit höherem Ziel war, ist hier nur noch Besserwisserei." 
Wer theoretisch Erfahrbares vermittelt, ist also ein Besserwisser. Und "sich künstlich zur Annahme von Knappheit zu zwingen", ist den Propheten der Fülle ein "sonderbarer Akt".
Aber auf der Erde wird es eben tatsächlich knapp, immer weniger trinkbares Wasser, guter Boden, reine Luft.  Diese hedonistische „Narration“, liebe Leute, ist vielleicht hübsch, aber reine Fiktion.

22. Januar 2017

Von Schweinen und Menschen

Dass das Wildschwein sich rasant ausbreitet und als Kulturfolger jetzt die Farm der Menschen überrennt und bis in die Siedlungszentren vordringt, weiß man. Drastische Schilderungen im Regionalteil der FAZ, wo ein Reporter Bauern und Jäger befragt und getreulich wiedergibt, was die so vorn sich geben.
"Jagdlich nicht zu bewältigen". Ja wenn man nur auf der Kanzel sitzt und wartet, bis die Sau vor die Flinte läuft. Die "Pirsch" gibt es wohl nur noch in volkstümlichen Liedern und wäre gefährlich, aber ich gebe zu, ich bin Laie und es mag tatsächlich sein, dass man der Plage mit Blei nicht mehr Herr wird. Die Bauern sagen: Hecken und Büsche weg, da verstecken sie sich. Dann Zäune. Und der Bürgermeister meint: Die Gartenliebhaber sollen über ihren  Kompost wachen.
Meine Güte.
Leider machen der Autor und seine Gewährsleute sich nicht die Mühe zu sagen oder herauszubekommen, warum gerade in letzter Zeit das Schwarzwild so zugenommen hat. Erwähnt wird das Klima. Sehr wenig plausibel, die Korrelation zwischen Schweinen und Wärme stimmt zeitlich und quantitativ weder hinten noch vorne. Der Mais? Das ist ähnlich unklar, weil die Plage vor der Vermaisung unserer Landschaft angefangen hat. Was dann? Es gibt sicher schon Theorien und eine ernsthaftte Forschung würde wohl mehr bringen als die erwähnten Aktivitäten an der Oberfläche. Hecken und Büsche beseitigen ist wohl die am wenigsten systemgerechte Aktion, wie man sehr schön anderer Stelle in der FAZ nachlesen kann. Kluge Bauern kehren zu einer Flur zurück, die nicht monoton leergefegt ist. Wer die richtige Ursache für unnatürliche Vermehrung kennt, kann wirksam handeln.

In der Welt gibt es einen Artikel, der die Sache schon professioneller angeht. Dabei läuft es doch auf die Jäger hinaus. Die müssten über ihren jagdlichen Schatten springen.

17. Januar 2017

Ein antiökologischer Fetisch

Im „Wachstums- und Entwicklungsbericht“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) wurde eine neue Kennzahl entwickelt, um den Wohlstand von Nationen zu messen. Das Bruttosozialprodukt als gebräuchliches Maß für den Lebensstandard wird dabei um Aspekte wie Bildung, Gesundheit, Umwelt und Staatsverschuldung ergänzt. Das, um Staaten nach Wohlstand zu vergleichen, mit Deutschland auf Platz 13, berichtet FAZ.net, und:
Deutlich besser geschlagen haben sich – von Ausnahmen abgesehen – die Schwellen- und Entwicklungsländer, hier stiegen die Pro-Kopf-Einkommen in dem Untersuchungszeitraum im Schnitt um mehr als zehn Prozent.
Generell leiden die Industrieländer unter einem schwachen Wachstum der Volkswirtschaften und einem daraus resultierenden schwindenden Wohlstand, mahnt das Weltwirtschaftsforum. ... Das Weltwirtschaftsforum fordert deshalb von den Regierungen in den Industrieländern strukturelle Reformen, „um das Wachstum zu erhöhen und gleichzeitig die Ungleichheit zu reduzieren“
So wird also von (den) Ökonomen argumentiert:
Das Wachstum sei bei uns ist zu gering im Vergleich zu den Newcomer-Staaten. Dagegen besagt die  normale Lebenserfahrung: Wer schon entwickelt ist, wächst weniger, als wer weniger entwickelt ist. Als ob man einen Zwanzigjährigen auffordern würde, doch gefälligst so zu wachsen wie ein Zwöfjähriger.
Es wird gefordert: Wachstum erhöhen und gleichzeitig Ungleichheit reduzieren: Wachstum, jedenfalls das, was wir bisher damit erleben, vergrößert  die Ungleichheit, also auch noch ein Widerspruch.
Wenn schließlich das Bruttosozialprodukt nicht mehr das einzige Kriterium für Wohlstand ist, wieso wird dann sein Wachstum so hoch gehängt?

Die Forderung von Wachstum per se ist ein (antiökologisches) Dogma, besser passt die alte Metapher "Fetisch", weil es so irrational ist. Wie mit den aktuellen ökonomischen Dogmen massenweise irrationale und widersprüchliche  Aussagen getroffen werden, dazu der nächsten Blogbeitrag, auch am Beispiel WEF.

6. Januar 2017

Gülle und freier Fraß für freie Bürger

Das Umweltbundesamt schlägt vor, die Steuersubvention für Fleisch und Milchprodukte zu streichen. Stattdessen solche für Gemüse und Obst einzuführen. Weniger Tierhaltung wäre gut für die Umwelt, weniger Fleisch und Zuckerjoghurt für die Gesundheit. Der Agrarminister von der CSU hält das für "unsozial". Die Tagesschau hält es für richtig, dass jeder essen darf, was er will. Stellt Euch vor, das Gespenst des Veggie-Days kehrt zurück. Dem haben die Linksliberalen aber nachhaltig abgeschworen (für die von Hofreiter ausgerufene Agrarwende haben die Grünen leider keine Zeit, sie haben Wichtigeres zu tun ...).
Vor ein paar Tagen dasselbe Schema: Die Nitratbelastung des Grundwassers wird beklagt, in ca 30% der Messtellen ist der Grenzwert signifikant erhöht (die EU klagt deswegen schon seit 2 Jahren gegen den Bund, dem ist bekanntlich das Recht ein Fetzen Papier). Das konzentrierte Ausbringen von Gülle aus der Massentierhaltung ist der unkontroverse Grund. Auch hier ist der Agrarminister der Meinung, dass billiges Fleisch auf den Tisch gehört.
Immerhin zeigt der Fernseher (Sender vergessen) einen Stall mit Kühen drin, deren Masse am Horizont verschwindet. Aber ein Zusammenhang der Fleischeslust mit der Nitrabelastung wurde  nicht hergestellt. Der kritische Beobachter mentaler Zurichtung in unseren Gesellschaften nennt das Verfahren Fragmentierung, wenn unliebsame Zusammenhänge in kleine Teile zerlegt werden.

5. Januar 2017

Links, oder links?

In einem Blog von Don Alphonso meint ein Kommentator, seine Links-Version gegen die Version der aktuellen linken Willkommenskultur abgrenzen zu können. Die übliche Rechthaberei unter Linken. Und das geht so:

"Nein, lieber automatisierter Luxus und Muße und Bildung für alle, zumindest als Perspektive." Oh ja, das ist links, schon immer. Marxens kritischer Kritiker oder "Kaviar für alle" (Wunschtraum einer früheren grünen Bundestagsabgeordneten). Was der Kommentator hier als einzig links auslobt, ist nur eine andere Facette dieser Bewegung, jetzt ist gerade mal eine andere Träumervariante an der Macht.
Diese Variante hat genau das mit US-Milliarden in der Ukraine gemacht, die Arabellion mit deutschen Parteistiftungen befeuert, was da gefordert wird: "links wäre doch eher, die korrupten Regimes in den Heimatländern zu stürzen und dann auf freiheitliche säkulare und soziale Verfassungen zu pochen. Solche aufrührerischen Ideen so aggressiv zu verbreiten ... ".
Alles anthropozentrischer linker Schmus. Statt Wohlstandsutopien zu verbreiten ist Verzicht angesagt: Verzicht auf Benzin, das die korrupten arabischen Eliten nährt, Verzicht auf Export von Agrarüberschüssen, Verzicht auf profitables Landgrabbing in Afrika, Verzicht auf Rüstungsexporte. Das kostet "Wohlstand" bei uns und ist höchst unlinks.
Das ist der Grund, weswegen man hier nicht links ist. Rechts will natürlich noch bedenkenloser den Wohlstand, geschenkt. Auch ist die Verzichtsliste selbst teilweise anthropozentrisch ausgelegt. Aus kommunikativem Opportunismus.
Was in ihr fehlt, ist vor allem der Verzicht auf den Export von Standards aller Art (schon in der EU ist die Standardisierung ein Problem). Standards sind die Existenzformen von Universalismus. Universalismus ist Imperalismus.

21. Dezember 2016

Das "Anthropozentrum"


Das Anthropozentrum ist ein „mental space“, ein mentales Netz riesigen Ausmaßes.  Das westeuropäische Anthropozentrum, d.h. die Schnittmenge der individuellen Exemplare im heutigen Westeuropa, ist angefüllt von schönen und optimistischen Bildern des Menschen als Gattung, gelegentlich beeinträchtigt von untypischen Taten einzelner und der Abscheu vor der Geschichte mit den so ganz anderen Menschen. Wie denn auch das Anthropozentrum vor der Aufklärung das dem heutigen entgegengesetzte Menschenbild enthielt. Es war im wesentlichen theologisch geprägt und hatte genauso wenig mit der Realität des normalen Subjekts zu tun wie das heutige. Der Mensch macht sich heute eben kein Bild mehr vom perfekten Gott, sondern vom lieben Menschen als Default.
Das Anthropozentrum schert sich nicht um die Natur, vor allem auch nicht um die eigene, es glaubt, die Wohlstandskultur sei seine wahre Natur. Die wirkliche Natur ist  die „Umwelt“, diese hat für die Außenwelt des Anthropozentrums nützlich zu sein, oder sie ist böse.
Das Anthropozentrum schert sich nicht um die Zukunft, Nachhaltigkeit ist die Parole jener Fortschrittler, die sich um die weiter gesicherte Bereitstellung von Nahrung, Kleidung und Wohnung und Luxus sorgen. Das individuelle Anthropozentrum schert sich allerdings nachhaltig darum, wie es sich die Sympathie und Hilfe der anderen Anthropozentren versorgen kann.

Moor statt Mais! III

NZZ über den Boden als Kohlenstoffspeicher
Die Rolle der Böden im globalen Kohlenstoffkreislauf fand bisher wenig Beachtung – Böden speichern aber mehr Kohlenstoff als Atmosphäre und Vegetation zusammen. Damit führen bereits kleine Zu- oder Abnahmen dieses Speichers zu messbaren CO2-Veränderungen in der Atmosphäre.
Ackerböden enthalten oft weniger Kohlenstoff in Form von Humus als Böden natürlicher Ökosysteme. (Es) sind viele Böden als Voraussetzung für land- und forstwirtschaftliche Nutzung entwässert worden, insbesondere ehemalige Moore. Dadurch gehen über Jahrtausende aufgebaute Kohlenstoffspeicher unwiderruflich verloren. 
grundlegende Änderungen (sind erforderlich), wie und wo wir das Land bewirtschaften – z. B. Landnutzungsänderung, Einbringung von Materialien wie Pflanzenkohle oder Ausweisung von Schutzflächen, die derzeit starke Emissionsquellen sind (genutzte Moorböden) und dann nicht mehr bewirtschaftet werden dürften. ...  Damit sind auch unkonventionelle Ansätze wie die Pflanzenkohleanwendung oder die Wiedervernässung von Moorböden gefragt. Global entspricht deren Potenzial etwa 20 Prozent der fossilen CO2-Emissionen.
Post zu Moor statt Mais

16. Dezember 2016

Licht und Dunkel

Der Dunkelheit im Dezember setzen wir Lämpchen, Kerzen, Laternen entgegen.  In diesem Kontext spricht man ungern  von Lichtverschmutzung, tatsächlich nimmt sie jedes Jahr weltweit um durchschnittlich 6 Prozent zu. In der Schweiz ist die Milchstrasse für ein Drittel der hier lebenden Personen bereits nicht mehr sichtbar. Das hellste Land weltweit ist Singapur, die dunkelsten Länder liegen in Afrika. Die NZZ hat Satellitenbilder aufbereitet, die zeigen, wo Kunstlicht besonders hell leuchtet und wo der Nachthimmel dunkel bleibt.
 NZZ               

Grün = linksliberal ≠ öko

In aller Munde und Tasten ist eine Studie von Inglehart et al. zum Anwachsen des Rechtspopulismus. Dazu steht in der FAZ u.a.:
Als populistisch definieren sie jene, die gegen den „kosmopolitischen“ Linksliberalismus kämpfen, der für offene Grenzen, Multikulturalismus und Internationalismus, für Toleranz und Diversität der Menschen und Lebensstile steht. Dies seien die „progressiven Werte“, die sich seit den siebziger Jahren vor allem bei den Jungen und Bessergebildeten durchgesetzt haben, was den Aufstieg „grüner“ Parteien antrieb, betont Inglehart, ein Pionier der Wertewandelforschung. Der hochbetagte Politologe von der Universität von Michigan macht keinen Hehl daraus, dass er selbst die progressive Weltsicht für die einzig vernünftige hält.
Zumindest in dieser Studie steht nichts davon, dass ökologische Anliegen zu den Merkmalen von  Linksliberalismus und grünen Parteien gehört. Leider wahr, und jeden Tag mehr. Leider sind es auch nicht die Anliegen des Rechtspopulismus, ganz im Gegenteil.

13. Dezember 2016

Natur wird durch Kultur erst schön, Niagara

Niagara ist, dachte man bisher, ein großartiges Naturschauspiel, jedenfalls aus anthropozentrischer Sicht. Aber es gibt nichts Schönes, was ein Amerikaner nicht noch schöner machen kann. Jetzt gibt es Niagara auch bunt ("a new area!!, see you tube; ab Mitte des Videos wird's dann bunt).
Aber Europa kann es auch, da gilt: Kultur wird durch noch mehr Kultur erst schön. Die Franzosen, renommés pour leur Son et lumière, beleuchten die Akropolis. Auch bunt. Anstatt Bilder oder Videos dazu habe ich nur ein Zitat aus der "Zeit" dazu gefunden
Was wäre heute die Akropolis ohne „Son et lumière?“
Wahrscheinlich ein fades Trümmergrundstück.


S. auch Monte Isola

12. Dezember 2016

"Natur und Kultur", Allgemeines zum neuen Blogtitel

Wenn Natur und Kultur Gegensätze sind, dann ist unter Kultur alles Menschengemachte zu verstehen. Natürlich werden diese Begriffe auch noch auf andere Weise verstanden. Dann ist Natur alles, etwa im Begriff Naturwissenschaft, in Physik und Chemie. Oder Kultur ist nur Kunst und deren Derivate. Das kann mit diesem Gegensatz nicht gemeint sein. In der Mathematik treffen Natur uns Kultur zusammen, so wie zB auch beim goldenen Schnitt.
Wenn Natur und Kultur global gegenübergestellt werden, bilden sie ein Kontinuum. Denn je nach Kategorie ist die Vorherrschaft von Natur oder Kultur verschieden. Im Bereich Gesellschaft überwiegt Kultur, im Bereich Sex Natur. Gerade auch bezogen auf die Kategorie Mensch selbst ist das Verhältnis je nach Kategorie sehr verschieden. Je enger die Kategorie gefasst wird, desto Genaueres kann gesagt werden. Z.B. ist es sehr schwer, etwas Genaueres über das Verhältnis der beiden Gegensätze in der globalen Kategorie Fauna oder Flora zu sagen. Obwohl zunehmend empirisch gestützte Quantifkationen auch in großen Bereichen vorgenommen werden. Allgemein gilt jedoch auch hier das Gesetz der granularen Exaktheit: Je kleiner und isolierbarer die Kategorie, desto genauer die Erkenntnisse. Um über die Mikrostufen hinauszukommen, gibt es zwei Wege:
1. Dynamische Relationierung: Erkenntnismöglichkeiten steigen, wenn man den Zuwachs der Vorherrschaft beschreibt, ob z.B. die Künstlichkeit von Pflanzen (Züchtung, Genveränderung, durch menschliche Eingriffe bedingte Menge der Arten u.a.) zu- oder abnimmt.
2. Addition das Natur-Kultur-Verhältnisses in einzelnen Kategorien zum Mittelwert einer Kategoriengruppe oder zu einem Gesamtbild.

Die mir zur Kenntnis gelangten Infos werde ich in einzelnen Blogbeiträgen wiedergeben, s. die Einräge unter dem Label "Natur — Kultur". Über Fremdbeiträge freue ich mich, bitte Email an Martin Vetter.
Der alte Blogtitel wurde geändert, er hat zu sehr erscheckt.

11. Dezember 2016

Berührte Natur

Man weiß seit einiger Zeit, dass auch in den entferntesten Ecken der Welt die die Folgen menschlicher Naturbearbeitung  erkennbar sind (z.B. Umweltbundesamt (Jahresbericht 2003/04, 119):
Hohe Konzentrationen von persistenten Umweltschadstoffen (organische Schadstoffe, Spurenmetalle etc.) werden seit 30 Jahren in biologischen Proben aus arktischen Regionen gemessen. Da keine lokalen Schadstoffquellen vorhanden sind, muss angenommen werden, dass dieseStoffe auf natuerlichem Wege dorthin transportiert werden. Der atmosphaerische und der wassergebundene Schadstoff-Ferntransport wird heutzutage als hauptverantwortlich fuer den Transport der Schadstoffe in die Arktis angesehen. In der Arktis werden die persistenten Schadstoffe in den kurzen unverzweigten Nahrungsnetzen besonders effektiv angereichert. Schadstoffkonzentrationen koennen in den Arten, die Endglieder der Nahrungsnetze repraesentieren, sehr hohe Werte erreichen, die bereits toxische Effekte erwarten lassen.
Heute wissen wir auch Einiges über den Eintrag von Plastik (Alexander Lahl in FAZ 7.12.16):
Plastik im Eismeer, das kommt von Touristen, dachte man. Bis die Menge gewaltig wurde. 
auf der Polarstern westlich von Spitzbergen:  „Ich hätte niemals erwartet, so viel Plastik zu sehen. Ich stand an der Reling und habe Müll gezählt“, sagt Bergmann (Meeresökologin).
„Ich war sicher, dass das arktische Eis sauber ist, dass wir dort garantiert nichts finden werden. Tatsächlich aber haben wir in den Eiskernen so viele Mikroplastikpartikel gefunden wie noch nie zuvor. Weit über eine Million Partikel pro Kubikmeter." (Gerdts, ebd.) ... Sollten die Zahlen repräsentativ sein, wäre die Konzentration von Plastik in der Arktis gut dreißig- bis fünfzigtausendmal so hoch wie in der Nordsee („Polar Biology“, doi: 10.1007/s00300-015-1795-8). ... „Es war schockierend und unerwartet herauszufinden, dass der überwiegende Teil des britischen Plastiks in der Arktis landet.“ Mehr als siebzig Prozent des Plastiks, das aus dem Vereinigten Königreich ins Meer gelangt, ende laut van Sebille im Nordpolarmeer. Die Meeresströmungen fungieren wie eine Art Förderband, das den Müll von den Küsten innerhalb weniger Jahre in Richtung Norden transportiert, wo es dann akkumuliert.
Britisches Plastik deshalb, weil das von van Sebille gezählt wurde. Was die anderen See-Anrainer beisteuern kommt dazu.

Wir können also über die von Menschengemachtem nicht berührte Erdoberfläche sagen: 0 qkm.


Barometer der Unberührtheit
Natur                                                                                                                                                    Kultur
   

9. Dezember 2016

Scobels Schönheit

Scobel macht eine Sendung über Schönheit. Das Thema wird von mir unterschätzt und ich schalte spät ein. Ich kriege die Frage mit, ob die Schönheit im Objekt, dem schönen Bild, dem schönen Mensch, liegt oder im Subjekt, das etwas als schön empfindet. Offenbar ist es die Wechselwirkung zwischen beidem. Der Einspieler zum goldenen Schnitt macht das deutlich. Der goldene Schnitt ist ein objektives Naturphänomen, zugleich finden Versuchpersonen Darstellungen mit goldenem Schnitt besonders schön. Also ist Schönheit mehr der Natur als der Kultur zuzuschreiben? Frappierend das in der Sendung erwähnte Experiment mit zwei Blatt Papier, eines mit goldenem Schnitt und eines in Din A4. Die Vpnn finden das mit dem goldenen Schnitt schöner (obwohl wir Bürositzer und Formularausdrucker doch den ganzen Tag  mit Din A4-Stücken umgehen).
Zu dieser Bevorzugung der Natur steuert der Erfinder dieses Schönheitstests bei, dass der Mensch die Schönheit der und in der Natur dem Menschengemachten prinzipiell den Vorzug gibt (wodurch der Spruch "Natur wird durch Technik erst schön" seinen Witz erhält, s. Post). Es ist Winfried Menninghaus, Gründungsdirektor des MPI für empirische Ästhtik, und er sagt u.a.:
Wir sind extrem sensitiv für das Naturschöne. [...] Es gibt (?Be)funde, dass wir Menschen uns sehr viel einiger sind über eine empfundene Naturschönheit als über die Schönheit eines bestimmten Liedes oder Bildes. [...] Jede naturbelassene Umgebung sieht meistens sehr viel schöner aus als eine kulturell hergerichtete. [...] Es gibt definitiv eine Bevorzugung der Natur durch unsere Sinne.
Scobel gibt dazu das Stichwort "unserer evolutionsbiologischen Herkunft".


Übergewicht der natürlichen über die kulturellen Schönheitsprinzipien:

Natur


Kultur